Angriff der Killerpilze – The Last of Us

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Eine rote Dschungel-Ameise krabbelt im Regenwald Südostasiens an einem kleinen braunen Zweig in die Höhe. Doch die Bewegungen des sonst so flinken und gut organisierten Insekts wirken irgendwie – unkoordiniert. Eine Ameise auf Drogen? Was man dann auf dem Bildschirm sieht, lässt einem fast das Blut in den Adern gefrieren: Rasch wird das Tier von seinen Stammesgenossen beiseite geschafft – die es in möglichst großer Distanz zum Rest der Truppe ablegen. Im Zeitraffer beobachten wir entsetzt, wie sich der Ameisen-Körper mit kleine weiße Härchen bedeckt, während sich aus dem Kopf des Tiers ein wurzelähnliches, gelbliches Gebilde hervorschiebt, das eine fantastische Länge erreicht. Eine Szene aus einem krassen Horrorfilm? Weit gefehlt!

Was wir mit Schaudern verfolgen, ist eine Dokumentation auf BBC Wildlife, die sich mit einem ganz besonderen Phänomen der Tier- und Pflanzenwelt befasst. Eine Pilzart der Gattung „Cordyceps“ – ein sogenannter „Schlauchpilz“ – hat sich im Körper der Ameise festgesetzt und ihr Gehirn befallen, aus dem nun ein neuer Organismus herauswächst. Erreicht er nach 2-3 Wochen seine Reife, schießen Millionen von Sporen in die Umgebung, die eine gesamte Population von Ameisen auslöschen. Die Hektik, mit der seine Artgenossen das kranke Tier beiseite schaffen, wird irgendwie plötzlich nachvollziehbar.

So gruselig das Szenario wirkt – für jeden Horror-Produzent ist es natürlich ein gefundenes Fressen. Und tatsächlich sind wir nicht die einzigen, die sich von dieser Dokumentation nachhaltig beeindrucken ließen. Auch das amerikanische Independent Games-Designer-Studio Naughty Dog hat sich von diesem unglaublichen Beitrag inspirieren lassen und ein apokalyptisches Horror-Game entwickelt, das es in sich hat.

Unter dem vielsagenden Titel The Last of Us ist ein Spiel entstanden, das bereits im Vorfeld seiner Veröffentlichung, – die für den 14. Juni 2013 angesetzt ist –, mit einer unglaublichen Menge von Preisen und Awards geehrt wurde.

Das Thema – Überleben in der Apokalypse – ist natürlich nicht neu. Für Leser des Horror- und Fantasy-Genres gehört es sozusagen zum täglichen Brot. Dennoch besticht die Geschichte durch einige sehr gut gewählte und ausgearbeitete Features. Bereits im Vorfeld – also noch vor der Bekanntgaben des Titels am 10. Dezember 2011, kursierten im Spiel „Uncharted 3: Drake’s Deception“ plötzlich kuriose Hinweise auf den Teaser-Trailer zu The Last of Us. Dort war die BBC-Ameise ebenfalls aufgetaucht. Spieler wurden zudem mit einer Zeitungsnachricht konfrontiert: „Scientists are still struggling to understand deadly fungus“. Wer das BBC-Video kennt, wird sicher zustimmen: mehr Horror geht kaum.

The Last of Us - Ellie and Joel

Ein geschickt eingefädelter Mythos bereitete so in bester Blair-Witch-Manier das Terrain für ein Spiel, in dem die beiden Überlebenden Joel und Ellie im Mittelpunkt stehen. Zusammen müssen sie 20 Jahre nach dem Ausbruch einer durch den Pilz Cordyceps verursachten Epidemie in einer zerstörten Welt überleben und ihren Weg finden. Zivilisation wie wir sie kennen, ist da längst Vergangenheit und die Natur hat sich die Welt Stück für Stück zurückerobert. Quarantäne-Camps stehen unter der totalitären Kontrolle des Militärs, das jeden auch nur scheinbar infizierten Menschen sofort eliminiert – wie die Ameisen.

Unter diesen Umständen treffen der Schwarzmarkthändler Joel und das 14-jährige Mädchen Ellie aufeinander und begeben sich auf eine Reise durch das trashige, vermoderte und gefährliche Wasteland.

Die Aufgabe Joels – und damit des Spielers – ist es, Ellie quer durch die Staaten zu einer Widerstandsgruppe – den Fireflies – zu bringen. Dabei müssen sich die beiden mit recht drastischen Mitteln nicht nur vor infizierten Organismen in Sicherheit bringen, sondern auch aggressive Mitmenschen beseitigen und nicht zuletzt vor den Schergen des Militärs fliehen, die Ellie aus zunächst unbekannten Gründen wieder in ihre Gewalt bringen wollen. In jedem Fall fließt jede Menge Blut und es wird zuzeiten ganz schön eklig.

Die Besonderheit des Spiels macht das aber ebenso wenig aus, wie das neue Spielsystem, mit dem das Erlebnis noch interaktiver wird. Die Stärke liegt vielmehr in einem ganz anderen Bereich: dem des Storytelling. Im Mittelpunkt steht die Beziehung zwischen Joel und Ellie und mit dem Aufbau dieser Beziehung trifft der Entwickler exakt den Kern des Erfolgsrezepts, das JEDE erfolgreiche Serie im modernen US-Unterhaltungssektor auszeichnet: Zwei eigenwillige und gegensätzliche Charaktere, von denen der eine vielleicht moralisch nicht ganz einwandfrei aber dennoch integer und im Grunde sympathisch ist, werden dem Zuschauer in einer Art und Weise präsentiert, die fast augenblicklich eine emotionale Bindung entstehen lässt. Das Character-Design in The Last of Us ist deshalb nicht nur ausgesprochen realistisch, was die grafische „Oberflächen“ angeht – es ist auch emotional vollkommen real umgesetzt. Sofort im ersten Trailer wird die Bindung an beide Figuren gefestigt und zieht den Zuschauer weiter in die Geschichte hinein.

The Last of Us - Mutant

Die Apokalypse ist nur der „backdrop“ – das, was im Unterbewusstsein verankert ist und als potenzielle Bedrohung abgespeichert wird.

Die geschickt an den Anfang der ganzen Story platzierte, Pilz befallene Horror-Ameise liefert aber noch mehr: sie bleibt JEDEM im Kopf (no pun intended) und ist der Tatsachenbeweis, der das Sci-Fi Szenario glaubwürdig werden lässt. Alle damit verbundenen Ängste werden so plötzlich real. Für die Emotionen selbst sorgt aber die „Liebes-Geschichte“ – das Verhältnis zwischen Joel und Ellie, die als eine Art Vater-Tochter-Gespann für alle menschlichen Werte stehen, die – nicht nur in der Apokalypse – für das Überleben von Bedeutung sind.

The Last of Us erscheint am 14. Juni 2013 exklusiv für Playstation. Im Vorfeld zum Erscheinungstermin hat Naughty Dog in Kooperation mit Dark Horse Comics das exklusive Comic-Prequel zum Game veröffentlicht. The Last of Us: American Dreams #1 liefert ebenfalls einen wesentlichen Teil der Vorgeschichte und wurde in einer Teamarbeit von Naughty-Dog-Creative-Director Neil Druckmann und der Comic-Autorin Faith Erin Hicks geschrieben, die auch für das Artwork im Heft zuständig war. Im Mittelpunkt steht die dreizehnjährige Ellie, die gerade in eine Militärschule eines Campsverpflanzt wurde und sich mit der Disziplin und dem sozialen Umfeld eher schwer tut. Neue Feinde warten, aber auch neue Perspektiven.

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